Tai Chi-Schule Winterthur

Adelheid Lipp Wartstrasse 12 , 8400 Winterthur (direkt beim Bahnhof) Telefon 052 202 35 85

 
 
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Inhaltsverzeichnis

     

    Vorwort

Auf den Weg, das T'ai Chi Ch'üan zu lernen, habe ich mich im Herbst 1999, zusammen mit meiner Freundin, gemacht. In der Schule von Frau Adelheid Lipp in Winterthur haben wir zuerst die Ch'i Kung-Übungen der acht Brokate gelernt, und befassen uns nun seit etwa eineinhalb Jahren mit der Yang-Stil Form des T'ai Chi Ch'üan. Ein eindrucksvolles Erlebnis war ohne Zweifel die Teilnahme an einem Ferienkurs im Herbst 2000. Meister Chu King-Hung, Präsident der International T'ai Chi Ch'üan Association (ITCCA), leitete die Kurse und demonstriert auch, welche Fähigkeiten man mit T'ai Chi Ch'üan entwickeln kann.
Es war die richtige Entscheidung, die wir damals getroffen haben. Je mehr sich die Form entwickelt, desto grösser wird die Freude daran und auch die Anzahl klitzekleiner Aha-Erlebnisse, die nun, auch dank dieser Arbeit, begonnen haben, sich langsam zusammenzufügen, und mir eine Ahnung des Ganzen geben
.

Einleitung

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Ich habe meine Maturarbeit zweigeteilt, wobei der erste Teil eine Einführung in die Welt des T'ai Chi Ch'üan ist, und ich im zweiten Teil untersuchen will, ob und welche Auswirkungen das Training auf mein Wesen gehabt hat.
Der erste Teil soll dem Leser eine theoretische Übersicht über das T'ai Chi Ch'üan und seine Grundlagen geben. Ich habe versucht, sie eher breit zu fächern, was folglich einen Verlust an substanzieller Tiefe bedingt, da die Arbeit sonst den Rahmen sprengen würde. So habe ich zum Beispiel die Weltentstehungslehre des Taoismus weggelassen, die fünf Elemente in der Traditionellen Chinesischen Medizin, die verschiedenen Aspekte von Ch'i oder die Theorie des I Ging. Interessierte möchte ich auf das Literaturverzeichnis hinweisen.
Für den zweiten Teil habe ich lange nach Möglichkeiten gesucht, meinen Körper nach wissenschaftlichen Kriterien und trotzdem ganzheitlich untersuchen zu können, aber nichts gefunden. Schliesslich habe ich die Veränderung des Drehwinkels meines Kopfes gemessen, in einem Zeitraum von vier Monaten. Die rudimentäre Ausrüstung lässt wahrscheinlich aber keine exakte Reproduzierbarkeit zu. Mit der Auraphotographie habe ich schliesslich eine Methode gefunden, mit welcher sich ziemlich alle Bereiche des Körpers charakterisieren lassen. Sie bewegt sich im Bereich des para-"normalen", ich habe mich aber dafür entschlossen, da das T'ai Chi Ch'üan selbst, vor allem in seinen Meisterstufen, in diese Bereiche hineingeht.
Meine Arbeit erhebt deshalb keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit.
Ich habe die Entwicklungen, die ich mit dem Training gemacht habe, in einem Bericht festgehalten. Zusätzlich haben meine Freundin und meine T'ai Chi Ch'üan-Lehrerin einen Bericht verfasst, um ihre Eindrücke des letzten halben Jahres festzuhalten.
Für die halbjährige Trainingsphase habe ich mir, ausser dem Weg an sich, keine Ziele vorgenommen.


Für die vorliegende Internetversion habe ich die persönlichen Erfahrungsberichte sowie die Auraphotographie herausgenommen, und nur den Versuch des Kopfdrehens noch darin belassen.

Dank

Mein tiefer Dank gilt meiner T'ai Chi Ch'üan-Lehrerin Adelheid Lipp, die mich mit viel Material, Zeit und Energie unterstützt hat, ebenso meiner Freundin Linda, die mich unterstützt, wo immer sie kann, und viel Verständnis aufbrachte, wenn ich den Kopf mal wieder übervoll hatte; Herrn Fabian Egloff für seine Bereitschaft, mich zu betreuen und für seine Unterstützung, sowie weiteren Personen, die sich Zeit nahmen, mir zu helfen und so zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben: Brigitte Kölla vom Ostasiatischen Seminar der Uni, Guido Ernst von der ITCCA in Zürich, Huub van Heedel von der Uniklinik Balgrist, Pierrette de Stoppani, sowie Dr. med. Ahmin Zahran.

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1. Die Grundlagen

1.1 Das Tao

Der Weg, über den wir sprechen können, ist nicht der ewige Weg;
der Name, den wir nennen können, ist nicht der ewige Name.
(Lao Tse, Tao te king 1)

Tao wird übersetzt mit Sinn, mit Weg, Fluss, Logos natura und noch einigem mehr. Tatsächlich trifft aber keine dieser Übersetzungen den Sinn des Wortes genau, denn auch "Tao" - im chinesischen zusammengesetzt aus den Ideogrammen Kopf/Denken und Fuss/Gehen - als Begriff ist nur eine Notlösung, dem Unbeschreibbaren einen Namen zu geben.
Das Tao ist "die im Kosmos immanente Ordnung" , der harmonische Wandel der Natur, der unbewegte Beweger, das letzte Freie, das sich nur nach sich selber richtet, währenddem alles andere seinen Sinn von etwas Übergeordnetem bekommt: Der Mensch von der Erde, die Erde vom Himmel, der Himmel vom Tao.

Chao-chou fragte: "Was ist das Tao?" Meister Nan-ch'üan erwiderte: "Dein gewöhnliches Bewusstsein ist das Tao." - "Wie kann man sich in Einklang damit bringen?" - "Wenn du den Einklang beabsichtigst, weichst du schon davon ab." - "Aber wie kann man ohne Absicht wissen, was Tao ist?" - "Das Tao", sprach der Meister, " gehört weder dem Wissen noch dem Nicht-Wissen an. Wissen ist Missverstehen, nicht-Wissen ist blinde Unwissenheit. Wenn du das Tao wirklich ohne jeden Zweifel verstehst, dann ist es wie der offene Himmel. Warum bringst du Recht und Unrecht hinein?"
(Wu-men Kuan)

Es darf jedoch nicht mit dem Gottesbegriff gleichgesetzt werden. Einem Gott kann man gehorchen oder auch nicht. Währenddessen schliesst das Tao das Nicht-gehorchen mit ein - die Einbildung, man könne ausserhalb davon existieren, ist selbst ein Teil des Stromes, des Tao.
Das Tao ist in allen Wesen, auch in Flora und Fauna. Dabei hat jedes Individuum sein eigenes Tao, seinen persönlichen Weg in dieser Welt. Es ist zwar zu erahnen, aber nicht zu erklären, es ist spürbar, aber nicht denkbar. Sein bedeutendstes Sinnbild ist der Lauf des Wassers, und wie man flüssiges Wasser nicht schneiden oder den Fluss nicht in einen Eimer füllen kann, so kann auch das Tao nicht beschrieben werden.

Knospe/Brändli (1985)
www.stud.uni-hannover.de/user/73597/Taoismus.html
Mit "gewöhnlichem Bewusstsein ist das natürliche Weltgefühl gemeint, wie ein Kind, das noch nicht sprechen kann, es hat.
Wu-men Kuan 19, tr. auct. aus:Watts (1983) S.70

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Das grosse Tao fliesst überall, nach links und nach rechts.
Das Leben aller Dinge hängt von ihm ab, und es lässt sie nicht im Stich.
Was es vollbringt, nennt es nicht sein Eigen.
Es liebt und nährt alle Dinge, aber es spielt nicht den Herrn über sie.
(Lao Tse, Tao te king 34)


1.2 Taoismus

Taoismus ist das Mitgehen des Menschen mit dem Lauf oder dem Weg der natürlichen Welt, deren Prinzipien wir im strömenden Wasser, im Gras und im Feuer erkennen.(*6)

Die erste und weitaus bekannteste Schrift des Taoismus ist das Tao te king (sprich: Dao-de-dsching), das im 7.Jh. v. Chr. von Lao Tse ("Grosser Meister") aufgeschrieben worden sein soll. Es ist in 81 Abschnitte unterteilt und gehört zu den zeitlosen und am gründlichsten in die Tiefe der Sache gehenden Büchern der Weltliteratur. Schon aus früherer Zeit hat man jedoch Vasen mit eindeutig taoistischen Motiven gefunden.

Den Weg des Tao gehen heisst, unser Eingebundensein in die Prozesse der Natur erkennen und sich danach richten, der Taoist will Eins mit der Natur und so Teil des grossen Flusses, des Tao , werden. Für ihn hat alles seine Berechtigung, Gut oder Böse sind indifferent, das eine existiert nur dank des anderen.
Ausgedrückt wird dies mit den Symbolen Yin und Yang. Yin und Yang bedeuten ursprünglich die Schatten- und die Sonnenseite eines Berges. Diese dualistische Denkweise durchdringt alle Lebensbereiche der chinesischen Kultur.

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Watts (1983) S.73
Watts (1983) S.17

Deshalb verweilt der Weise bei allem, was er tut, im Nicht-Tun,
und lehrt nicht durch Worte.
(Lao Tse, Tao te king 2)

Wu wei, übersetzt mit Nichthandeln oder Nichtexistenz von Tun, ist das Mittel, mit dem das Tao erreicht werden soll. Es darf jedoch nicht als Trägheit oder blosse Passivität aufgefasst werden. Vielmehr geht es um eine Form von Intelligenz, die Strukturen und Neigungen menschlicher und natürlicher Dinge so gut zu kennen, dass man im Umgang mit ihnen ein Minimum an Energie verbraucht. Diese Intelligenz ist nicht bloss intellektuell, es ist "die unbewusste Intelligenz des ganzen Organismus und insbesondere die dem Nervensystem innewohnende Weisheit."


Das Tao tut nichts, und doch bleibt nichts ungetan.
(Lao Tse, Tao te king 37)

Gelingt es jemandem, im Einklang mit der Natur zu Leben, erreicht man nach taoistischer Auffassung Unsterblichkeit. Dies ist jedoch nicht im wörtlichen Sinne aufzufassen. Es bedeutet, dass, auch wenn der grobstoffliche Körper stirbt, sich der feinstoffliche, der geistige Körper so rein entfaltet hat, dass er an den Wandlungen des Tao weiter teilhaben kann. Die Taoisten haben sich deshalb schon immer dem Studium der Natur verschrieben, um ihre Gesetzmässigkeiten zu erforschen, sich mit ihr in Einklang zu bringen und so ihr Leben zu verlängern. Daraus entstand eine breite Anzahl von Methoden und Praktiken, die sich folgendermassen grob gruppieren lassen:

· Methoden der Atemführung
· Heilgymnastische Übungen und Kampfkünste
· Pharmazeutische und alchemistische Methoden
· Sexuelle Praktiken
· Diätische Methoden
· Meditation

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All diesen Methoden liegt die energetische Betrachtung der Natur zugrunde. Das heisst, man betrachtet jede Erscheinung und jedes Lebewesen als eine Manifestation von Ch'i, der "ursprünglichen, ewigen und höchsten Energie." Ch'i ist die Kraft, die die natürlichen Umwandlungen in Gang setzt. Man kann sie durchaus als Energie im physikalischen Sinn verstehen. Sie bewegt sich zwischen den beiden Polen Yin und Yang in einem dynamischen Gleichgewicht. Genauso kann Ch'i als potentielle Energie gespeichert werden.
Ch'i ist die Kraft, die verbindet und aktiviert und so Umwandlungsprozesse möglich macht, wobei ihre Ergebnisse als Manifestationen des Ch'i betrachtet werden. Bei der Betrachtung des Menschen spielt es überall dort eine Rolle, wo es um Bewegungs-, oder Umwandlungsprozesse geht. In der Traditionellen Chinesichen Medizin (TCM) wird ihr ein grosser Stellenwert beigemessen.

Knospe/Brändli (1985)
Watts (1983) S.117
Watts (1983) S.115
www.stud.uni-hannover.de/user/73597/Taoismus.html

 

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Dank ihres Wissens um Medizin und ihres Verständnisses für die Natur wurden taoistische Mönche schon sehr früh in die Rolle von Priestern gedrängt. Man konsultierte sie, um Kranke zu heilen und böse Geister zu vertreiben. Sie erteilten die Absolution und brachten Opfer dar. Zum Dank erbaute man ihnen Tempel und Klöster, so zum Beispiel auf dem Wudang-, oder dem Huashan-Gebirge. An diesen heiligen Orten übten sich tausende Mönche, im Einklang mit der Natur zu leben und widmeten sich wissenschaftlichen Studien. So bekam der Taoismus einen ausgeprägt volksreligiösen Charakter, auch wenn dies nie das eigentliche Ziel war. Dieses lag immer auf der Bewahrung und Weiterentwicklung des taoistischen Wissens und seiner Methoden zur Lebensführung bis hin zur Erlangung der Unsterblichkeit.

Heute ist der Taoismus in der chinesischen Mentalität und ihrer Kultur tief verwurzelt. Wenn er meistens auch nicht bewusst praktiziert wird, so sind die Existenz und die Auswirkungen von Ch'i, der "vitalen Lebenskraft" , und des polaren Systems von Yin und Yang selbstverständlich.
Jedes Krankenhaus in China hat eine Abteilung für Traditionelle Chinesiche Medizin, und frühmorgens kann man überall in Parks Leute, jung und alt, beobachten, die T'ai Chi Ch'üan oder Ch'i Kung praktizieren, meditieren oder sonst eine Art Heilgymnastik ausüben.
Viele der heiligen Tempel und Klöster des Taoismus dagegen sind heute in Teestuben oder Guesthouses umgewandelt worden. Von den tausenden Mönchen, die sich auf dem Huashan einst dem Studium und der Annäherung an das Tao widmeten, sind sind heute noch etwa 180 übriggeblieben. Das über Jahrtausende angesammelte Wissen droht verloren zu gehen. Gleichzeitig hat die Zentralregierung - ähnlich wie in Tibet - Arbeiter zwangsangesiedelt. Der Bau einer Seilbahn und eines Hospizhotels auf dem nur schwer zugänglichen Gebirge ist geplant - ein Prestigeprojekt.
Umweltverschmutzung wird ein immer grösseres Problem, da man Abfälle nur mühsam ins Tal transportieren kann.
Gleichzeitig gibt es aber auch Organisationen, wie die Taoist Restoration Society (www.taorestore.org), die sich um den Wiederaufbau und die Erhaltung der historischen Stätten bemüht.

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1.3 Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Die Traditionelle Chinesische Medizin basiert auf dem Werk Huan-ti nei-ching ("Der innere Klassiker des Gelben Fürsten"), das ungefähr Zeitgleich mit dem Tao te king entstanden ist. Die taoistische Philosophie darf auch als ihre geistige Grundlage angesehen werden.
Der Mensch wird, wie alles lebendige, als Manifestation von Ch'i, der vitalen Lebenskraft angesehen. Es fliesst unaufhörlich durch den menschlichen Körper und steht mit seiner Umwelt in Verbindung. Über die Haut, den Atem und den Nahrungskreislauf wird ständig frisches Ch'i aufgenommen und verbrauchtes abgegeben.
Im Körper fliesst es, ähnlich dem Blutkreislauf, in einem geschlossenen System, in Kanälen, die jedoch nicht von einem speziellen Trägergewebe abhängig sind.

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Tjoa (1999) S.18

Die Traditionelle Chinesische Medizin unterscheidet einen grossen und einen kleinen Energiekreislauf. Der grosse Energiekreislauf wird in zwölf Haupt- und acht Sondermeridiane eingeteilt. Die Hauptmeridiane verlaufen je von einem Finger oder einer Zehe aus durch den Körper zu dem Organ, das jedem zugeordnet ist, und verbindet sich anschliessend mit dem nächsten Meridian. So ergibt sich ein geschlossener Kreislauf. Der kleine Energiekreislauf verläuft entlang der vertikalen Symmetrieachse des Körpers, ist also ebenfalls in sich geschlossen.

Ch'i ist die Quelle aller Bewegung im Körper, sowohl bewusster, unbewusster, geistiger (Gedanken), sowohl von Lebensprozessen allgemein (Geburt, Tod). Es darf dabei aber nicht als ihre Ursache, sondern eher als die energetische Qualität der Bewegung angesehen werden.

· Ch'i schützt den Körper vor Umwelteinflüssen wie Wind oder Kälte.
· Es ist die Quelle harmonischer Transformationen (Stoffwechsel).
· Es regelt die Bewahrung von Körpersubstanzen und Organen (Kontrollfunktion)
· Es hält die Körpertemperatur aufrecht

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Alle Bereiche des menschlichen Körpers, sowie auch alle Vorgänge darin, werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin in einen Yin- und einen Yang-Aspekt unterteilt. Die Kunst besteht nun darin, diese beiden Aspekte für jedes Organ und jeden Vorgang im Körper im Gleichgewicht zu halten. Dazu muss noch gesagt werden, dass die Traditionelle Chinesische Medizin nicht genau die gleiche Vorstellung eines Organs hat wie die westliche Medizin. Bei ihr sind das Organ und seine Funktion stets untrennbar miteinander verknüpft, währenddem die westliche Medizin eher eine pathologische Vorstellung davon hat.
Wird ein Energiemeridian an irgendeiner Stelle im Körper blockiert, staut sich das Ch'i, es strahlt aus und stört das Yin- Yang-Gleichgewicht seiner Umgebung. Dies bewirkt Krankheit mit einem bestimmten Verhaltensmuster. Da der Körper als ein geschlossenes System angesehen wird (auch Körper und Seele sind eine Einheit), wirkt sich die Disharmonie auf den ganzen Körper aus. Tod bedeutet, dass ein Ungleichgewicht im Körper oder in einem Teil davon so stark ist, dass sich die Pole Yin und Yang voneinander trennen und mit dem grösseren Kreislauf der Natur versschmelzen.
Ein Arzt der Traditionellen Chinesischen Medizin stellt seine Diagnose aufgrund von Beobachtungen, des Geruchs des Patienten oder am Klang seiner Stimme. Allein am Puls unterscheidet er über 30 Eigenschaften. In China sagt man, "ein guter Arzt fragt nur wenig."
Die Traditionelle Chinesische Medizin ist ein hauptsächlich präventives System, das auf die Selbstheilungskräfte des Menschen setzt. Sie zählt vielfältige Behandlungsmethoden, so zum Beispiel die auch bei uns bekannte Akupunktur, Energiemassage (Shiatsu), Schröpfköpfe (ansaugen der Haut im Vakuum eines erhitzten Gefässes), heilgymnastische Übungen (Ch'i Kung) und vor allem eine in die Perfektion getriebene Kräuter- und Ernährungslehre.
Tjoa (1999) S.19
Luczak & Stohrer (2001) S.91/9

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Das Gesundheitssystem in China setzt heute sowohl auf die Traditionelle Chinesische wie auch auf die westliche Medizin. Während letztere zur Behandlung von akuten, als gefährlich eingeschätzten Krankheiten zum Einsatz kommt, wird bei chronischen Leiden und der Therapie funktioneller Störungen nach wie vor auf die traditionelle Medizin gesetzt.
Die Traditionelle Chinesische Medizin fasst heute auf der ganzen Welt Fuss. Chinesische Ärzte und Heilkräuter sind zu einem Exportschlager geworden. In Deutschland gibt es keine medizinische Universität, wo nicht auch Akupunktur gelehrt wird, ein Ordinariat für Traditionelle Chinesische Medizin ist in Planung, und in den USA wird die Abteilung für Komplementärmedizin des nationalen Gesundheitsinstitutes, an der die Traditionelle Chinesische Medizin den Hauptanteil ausmacht, im Jahr 2001 mit 90 Mio. US-Dollar gefördert

Luczak & Stohrer (2001) S. 9

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2. Das T'ai Chi Ch'üan

2.1 Was ist T'ai Chi Ch'üan

Auf den ersten Blick ist das T'ai Chi Ch'üan eine verwirrende Abfolge von harmonisch langsamen Bewegungen, eine Meditation in Bewegung oder ein Schwimmen in der Luft.
Tatsächlich ist es "das fortschrittlichste System zur körperlichen Bewegungspraxis und Geisteskonditionierung, das je hervorgebracht wurde."
Taoistische Mönche entwickelten Frühformen des Faustkampfes unter Berücksichtigung ihrer Philosophie. Das T'ai Chi Ch'üan schliesslich ist, durch seine auf das Meridiansystem des Körpers abgestimmten Bewegungen, neben einer Kampfkunst auch eine Übungsform, um Eins zu werden mit sich, seiner Umgebung und mit dem Tao. Dazu kann ich aus persönlicher Erfahrung beifügen: Es ist mir schon einigemale passiert, dass, während ich das T'ai Chi Ch'üan in der freien Natur übte, Tiere ihre Scheu verloren und sich näherten, um zu beobachten, was ich da mache, oder mich gänzlich ignorierten.
Wie alle taoistischen Systeme basiert auch das T'ai Chi Ch'üan auf der Ganzheitlichkeit. "Es unterstützt die volle Verwirklichung der Einzelperson, hebt jedoch auch nachdrücklich hervor, dass man dieses Ziel durch eine gemässigte, natürliche Lebensweise erlangen sollte."

2.2 Die Geschichte

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Bereits vor 6000 Jahren sollen in China Bewegungsübungen zur Gesundheitsförderung existiert haben. Über die Jahrhunderte verbreiteten und entwickelten sich diese immer weiter, man lernte die Wirkungsweise des Ch'i kennen und es für Kampfkunstzwecke einzusetzen. Vor allem taoistische Mönche, die auf ihren Wanderungen nach Schutz vor Überfällen suchten, leisteten viel für die Entwicklung der Kampfkünste.
Auch Zhang Sanfeng, der Begründer des T'ai Chi Ch'üan's, war solch ein Wanderer. Geboren wurde er im Jahre 1247 im Norden von China. Um sein Leben ranken sich viele Legenden. Die Idee zur Form des T'ai Chi Ch'üan soll er im Alter von bereits über 100 Jahren gehabt haben, als er den Kampf zwischen einem Falken und einer Schlange beobachtete. Wieder und wieder stiess der Falke von einem Baum auf die Schlange herab, die jedoch durch geschickte kreisförmige Bewegungen ihres Kopfes auszuweichen wusste, bis der Angreifer schliesslich erschöpft aufgab.
"Plötzlich verstand er das umfassende Prinzip von sich gegenseitig bedingender Härte und Weichheit, den Wechsel zwischen Yin und Yang. Aus dem Erkennen der Wirksamkeit des Wechsels von Ruhe und Bewegung entstand die Selbstverteidigungskunst des Weisen. Mit dem Kreis als Ausgangspunkt entwickelte er auf der Grundlage der Theorie des I Ging aus dem alten T'ai Chi Gong die Kunst des T'ai Chi Ch'üan.

Liao (1995) S.35
Liao (1995) S.31
I Ging, das Buch der Wandlungen: Altes chinesisches Weisheits- und Orakelbuch.
T'ai Chi Gong: Vorläufer- Kampfkunst des T'ai Chi Ch'üan, heute ausgestorben.

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Neu an dieser Kampfkunst war, dass nicht mit eigener Kraft gekämpft wurde, sondern diejenige des Gegners absorbiert und gegen ihn gerichtet wurde. Dies machte das T'ai Chi Ch'üan zur effektivsten Kampfkunst überhaupt.
In der Folge weihte Zhang Sanfeng einige wenige in die neue Technik ein, und zog sich daraufhin in die Einsamkeit der Berge zurück. Über die Jahrhunderte wurde die Kunst nur im Familienkreis weitergegeben, um sie vor Missbräuchen zu schützen. Dieser ursprüngliche Stil wird nach dem Namen der Familie Chen-Stil genannt. Langsame, fliessende Bewegungen wechseln sich dabei mit explosionsartigen Ausbrüchen und Sprüngen ab.
Im Jahr 1799 wurde der Begründer des Yang-Stils, Yang Lu Ch'an geboren. In jungen Jahren hörte er von der Kunst des Chen-Clans. Fest entschlossen, diese zu erlernen, gab er sich als Taubstummer aus und trat in den Dienst des bekannten Meisters Chen Chang Hsing. Was er während des Tages beobachtete, übte er in der Nacht heimlich, bis er nach Jahren entdeckt wurde. Er hatte aber schon solche Fortschritte gemacht, dass der Meister ihn als Schüler bei sich behielt, und er wurde in die Geheimnisse des Familienstils eingeweiht. Als ihm der Meister nichts mehr beibringen konnte, zog er durch das Land, besiegte 18 bekannte Meister mit weniger als zwei Bewegungen und erhielt den Beinamen "Yang, der nicht kämpft". In Peking gründete er eine Schule, in der er seinen eigenen Stil lehrte. Der Yang- Stil war der erste, der das Prinzip des weichen T'ai Chi Ch'üan vertrat. Weich bedeutet, dass der Körper in jeder Situation völlig entspannt sein soll. Er war der Erste, der das T'ai Chi Ch'üan vollständig unterrichtete, wenn er auch nur den wenigsten das vollständige Wissen weitergab. Sein Enkel Yang Ch'eng Fu gilt als der berühmteste Meister des 20.Jahrhunderts. Von den tausenden seiner Schüler wurden wiederum nur einige wenige in das Geheimnis und die Traditionen des Familienstils eingeführt. Da sich auch andere Schüler als Lehrer betätigten, ist der Yang-Stil heute in vielen "öffentlichen" Varianten verbreitet. Als Yang Ch'eng Fu 1936 starb, war er Zeit seines Lebens unbesiegt geblieben. Sein ältester Sohn Yang Shou Chung gründete die International T'ai Chi Ch'üan Association (ITCCA), die sich der Fortführung und der Bewahrung des ursprüngliche Yang-Stils verpflichtet hat. Der letzte seiner drei Meisterschüler war Chu King Hung, der seit 1970 in London lehrt und Präsident der ITCCA in Europa ist.
Der Yang-Stil ist heute der verbreitetste T'ai Chi Ch'üan-Stil. 1955 wurde vom bekannten Meister Cheng Man Ch'ing im Auftrag der Chinesischen Regierung eine Kurzform, die Peking-Form, entwickelt. Dank ihr sollten möglichst viele in kurzer Zeit das T'ai Chi Ch'üan erlernen können.
Weiter bekannte Stile sind der Wu-Stil, der Sun-Stil sowie der Fu-Stil. Letzterer versucht, das Bewegungsgleichgewicht auf der rechten und der linken Seite auszugleichen. In anderen Formen werden viele Bewegungen nur einseitig geübt. Der Sun-Stil zeichnet sich durch sanfte und zusammenhängende, rasch zurückweichende und vorstossende Bewegungen und eine anspruchsvolle Beinarbeit aus. Der Wu-Stil legt Wert auf eine Handhaltung, die immer auf die Körpermitte bezogen ist. Auffällig ist der nach vorne geneigte Oberkörper beim Vorwärtsgehen. Dies ist natürlich nur eine ganz oberflächliche Beschreibung.

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2.3 Der Yang-Stil

2.3.1 Die Grundform

Wie sich mit der Zeit die verschiedenen Stile des T'ai Chi Ch'üan entwickelt haben, so hatte auch jede Familie ihre eigene Methode, zu trainieren. Das Ziel, die Form im Einklang mit dem Tao, entsprechend den Prinzipien von Yin und Yang zu beherrschen, war aber allen gemeinsam. Ich beschränke mich in der Arbeit darauf, den Yang-Stil näher zu erläutern, dies anhand von zwei verschiedenen Methoden. Die eine basiert auf dem traditionellen chinesischen Weg, wie er von Cheng Man Ch'ing überliefert wurde .
Der andere wird von Meister Chu King Hung, respektive von der ITCCA in Europa gelehrt.
Beiden Methoden ist gemeinsam, dass am Anfang die 108 Bewegungen der Yang-Form gelernt werden müssen. Dies dauert je nach Schule etwa ein Jahr. Um die Form einmal ganz zu machen, benötigt man je nach Geschwindigkeit zwischen 15 und 30 Minuten.


2.3.2 Entwicklungsstufen

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Wird die Grundform beherrscht, beginnt man, sie immer weiter zu perfektionieren. Nachfolgend nun ein Auszug aus dem Buch "13 Kapitel zu T'ai Chi Ch'üan" von Meister Cheng Man Ch'ing, welcher die traditionellen Entwicklungsstufen des Yang-Stils erstmals veröffentlicht hat.

"Die Entwicklungsstufen beim T'ai Chi Chuan werden mit Hilfe der Dreiteilung Himmel, Erde und Mensch beschrieben. Die Stufe des Menschen wird mit einem zunehmenden Entspannen der Sehnen und mit einer Kräftigung des Blutes in Verbindung gebracht. Auf der Stufe der Erde öffnen sich die Gelenke, und auf der des Himmels kann das Üben mit vollkommener Aufmerksamkeit vollzogen werden.

Die Stufen lassen sich in jeweils drei Phasen unterteilen. Während der ersten Phase der ersten Stufe entspannen sich die Sehnen von den Schultern zu den Fingern. In der zweiten Phase geschieht das gleiche von der Leistengegend bis zum Yungch'uan?Punkt in der Mitte der Fussohlen. Die dritte Phase erfasst den Rumpf vom Wei?lü?Punkt am Steissbein bis zum Ni?wan?Punkt am Scheitel. Die erste Phase der zweiten Stufe bringt ein Sinken des Ch'i zum Tan T'ien mit sich. In der zweiten Phase gelangt das Ch'i zum Yung?ch'uan und in der dritten zum Ni?wan?Punkt. In der ersten Phase der dritten Stufe kann man die Energie wahrnehmen ["hören"]. Die zweite Phase läßt uns die Energie "verstehen." In der dritten Phase erreicht man den Zustand der vollkommenen Klarheit. Das sind die drei Stufen mit ihren insgesamt neun Phasen."

Cheng Man Ch'ing: 13 Kapitel zu T'ai Chi Ch'üan
siehe Zentrums-Form S. 14
Cheng (1986) S.85

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Charakteristisch für die Ausbildung im T'ai Chi Ch'üan ist, dass viel mit Achtsamkeit gearbeitet wird, dass man "erspürt", wann eine Bewegung richtig ausgeführt worden ist und das Ch'i ungehemmt fliesst.
Da wir im geschäftigen Europa weitestgehend verlernt haben, in uns hineinzuhorchen, hat Meister Chu King-Hung, als er in den siebziger Jahren anfing, in Europa zu unterrichten, das Übungssystem für die Bedürfnisse der Europäer methodischer gestaltet. Es ist in sechs Vertiefungsstufen unterteilt, um den Übenden neben dem "erspüren" auch über Haltungs-, und Bewegungs-korrekturen "von aussen her" dahin zu führen, den Ch'i-Fluss zu verbessern. "Die Entspannung wird dabei immer tiefer, bis sich eine heitere Gelassenheit einstellt."

Die sogenannte Yin-Yang-Form ist die erste Vertiefungsstufe. Sie gibt dem T'ai Chi Ch'üan Struktur. Die Bewegungen werden in Yin und Yang unterteilt. Yin-Bewegungen sind eher defensiv; bei Yang ist es umgekehrt. Beide Pole sollten immer in Balance sein.
In der Ch'i-Form lernt man die Armspirale, je nach Bewegung in der Form ein subtiles Öffnen oder Schliessen der Arme, um den Energiefluss zu den Händen zu verbessern.
Die nächste Vertiefungsstufe ist die Zentrums-Form. Jede Bewegung hat ihren Ursprung im T'an Tien. Dieser Punkt liegt etwa drei Finger breit unter dem Bauchnabel, in der Körpermitte. Es ist das Energiezentrum, der Hort des Ch'i. Cheng Man Ch'ing beschreibt dazu einen Beutel, der inmitten der Membranen zwischen den Därmen des Bauches gefunden wurde, und der bei Kampfkünstlern wesentlich besser ausgebildet ist.
Analog zur Armspirale werden in der folgenden Vertiefungstufe, der Beinspirale, die Kniegelenke geöffnet, um einen erleichterten Energiefluss durch die Beine zu ermöglichen.
Mit der Halsspirale ist eine subtile Bewegung im Hals gemeint. Sie soll den Energiefluss zwischen Wirbelsäule und Scheitel erleichtern.
Die sechste und letzte Vertiefungsstufe ist der innere Atem. Dieser bedeutet eine spezielle Atemtechnik, die den richtigen Einsatz des Zwerchfelles bedingt. Mit dem inneren Atem verstärkt sich die Wirkung einer Bewegung um ein Vielfaches. Man agiert schneller, genauer und wirkungsvoller.

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2.3.3 Zusätzliche Übungsformen

Es ist von grossem Vorteil, die in den Vertiefungsstufen zu lernenden Prinzipien auch noch auf andere Weise zu trainieren.
Die sitzende Meditation bietet sich an, die inneren Atmung sowie die Achtsamkeit zu verbessern.
Mit speziellen Ch'i Kung-Übungen, sogenannter Meditation im Stehen, kann die Konzentration von Ch'i im T'an Tien, die Fähigkeit, Ch'i zu lenken und wieder die Achtsamkeit verbessert werden.
Doch auch alltägliche Dinge wie Schwimmen oder Laufen unterstützen die Übung dieser Prinzipien.
Es gibt auch spezielle Partnerübungen, wie das Push Hands oder die Fighting Form. Mit ihnen beginnt man, T'ai Chi Ch'üan als eigentliche Kampfkunst zu

http://itcca.org/deutsch/Yang-Stil/vertiefungsstufen
Cheng (1986) S.27

erfahren. Durch das Berühren des Partners kann man lernen, Ch'i zu "senden" respektive dasjenige des Partners zu spüren. Gleichzeitig kann man die Position und den Schwerpunkt des Partners erahnen und versuchen, ihn aus dem Gleichgewicht zu schieben.
Neben der "Form der leeren Hand", wie die T'ai Chi Ch'üan-Form auch genannt wird, gibt es noch vier spezielle Übungsformen mit Waffen: Die Säbel-Form, die Speer-Form, die Schwert-Form sowie die Stock-Form, zu der man einen etwa 1.8 Meter langen Holzstock benutzt.

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2.3.4 Die höchste Stufe / T'ai Chi Ch'üan als Kampfkunst

T'ai Chi Ch'üan ist die wirkungsvollste Kampfkunst überhaupt. Dabei unterscheidet sie sich darin von den meisten anderen, dass es viel weniger auf Körperkraft, als auf Entspannung und Leichtigkeit ankommt. Der Kämpfer bewegt nie ein einzelnes Körperteil, sondern nur alle miteinander. Alle seine Bewegungen sind kreisförmig, dadurch ist er in der Lage, Schläge zu absorbieren, und ausserdem kann der Gegner die Bewegungen nicht vorausberechnen. Der T'ai Chi Ch'üan- Kämpfer hingegen ist in der Lage, seinen Gegner wie zufällig zu berühren und dabei Kraft und Richtung seiner Attacke zu erspüren.
Die einzigartige Überlegenheit des T'ai Chi Ch'üan liegt in der Fähigkeit, Energie (Ch'i) des Gegners umzuwandeln. Die Kraft eines Schlages kann absorbiert und verstärkt wieder abgegeben werden. Der Gegner wird so zum Urheber seiner eigenen Niederlage.
Hat ein T'ai Chi Ch'üan-Kämpfer die höchste Entwicklungsstufe erreicht, kämpft er unbewusst. Das Ch'i, das seine Bewegungen leitet, ist von der Aufmerksamkeit losgelöst. Dazu eine Textstelle aus dem Buch von Cheng Man Ch'ing ::

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"Die dritte Phase ? die der vollkommenen Klarheit ? ist äusserst schwierig zu beschreiben. Eine klassische Schrift des T'ai Chi Ch'üan schliesst mit dem Satz: "Die Aufmerksamkeit soll auf den Geist gerichtet sein und nicht auf das Ch'i. Wenn man sich auf das Ch'i konzentriert, gibt es keine Stärke. Ohne Ch'i gibt es stählerne Härte." Diese Worte klingen sehr seltsam. Sie scheinen dem Ch'i keine Bedeutung beizumessen. In Wirklichkeit ist dies natürlich nicht der Fall. Das Ch'i kann umgewandelt und zu einer Funktion von Geist werden. Was mit "Kraft ohne Kraft" gemeint ist, ist die geistige Kraft. Wo immer das Auge hinschaut, dorthin geht auch der Geist, und das Ch'i folgt. Ch'i kann den Körper bewegen, ohne dass dabei der Verstand benötigt würde. Der Geist kann das Ch'i gleichsam mit sich nehmen, wenn er sich bewegt. Das ist geistige Kraft oder ? wie es auch genannt wird - "wunderbare Geschwindigkeit". Die Physik zeigt uns, dass Geschwindigkeit durch Kraft vervielfacht wird. Ihr Potential ist nahezu unbegrenzt, darum ist die geistige Kraft "wunderbar schnell". Die meisten Gelehrten übersehen das Naheliegende und streben zum Fernen. Sie verstehen nicht das wunderbare Phänomen der Ch'i?Ansammlung im Tan T'ien. Die Ch'i?Ansammlung im Tan T'ien nannte Mencius die Kultivierung des grossen Ch'i, das alles zwischen Himmel und Erde erfüllt. Ch'i ist wie Wind, Wasser

Cheng Man Ch'ing: 13 Kapitel zu T'ai Chi Ch'üan

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oder Wolken, die uns zeigen, was angesammelte Kraft ist. Ebenso zeigt sich das Ch'i in der Kraft von Himmel und Erde. Die Wirkungen der angesammelten Kraft von Wind und Wasser kann man überall beobachten und leicht verstehen. Die akkumulierte Kraft der Wolken oder des Ch'i ist schwerer zu erkennen und zu verstehen. Als Flugzeuge in Gebrauch kamen, begannen wir zu begreifen, dass schwarze Wolken Blitze in sich tragen, die alles, was sie treffen, zerstören können. Wenn wir bedenken, dass das angesammelte Ch'i Himmel und Erde aufrechterhält, muss auf dessen Kraft wohl nicht näher eingegangen werden. Geistige Kraft oder "wunderbare Geschwindigkeit" tragen die Vorstellung des Blitzes in sich. Dies alles gehört zur Entwicklung vollkommener Klarheit; die dritte Phase der dritten Stufe."

 

Das mag uns verständlicherweise recht paradox, beinahe wie aus einem Fantasy-Film vorkommen. Man muss die Kraft des Ch'i erfahren, um eine ungefähre Vorstellung seiner Möglichkeiten bekommen zu können.

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Chen Xiaowang, Grossmeister des Chen-Stils,meint jedoch, "die Schönheit und die Wirksamkeit des T'ai Chi Ch'üan in seiner ganzen Bandbreite können niemals innerhalb eines Lebens erreicht werden."


2.4 Gesundheitliche Aspekte

"Stark wie ein Holzfäller, geschmeidig wie ein Kind und gelassen wie ein Weiser", wird nach einem chinesischen Sprichwort, wer T'ai Chi Ch'üan regelmässig übt.
Es spricht den Körper genauso an wie den Geist und die Seele. Als physische Methode aktiviert es den Ch'i-Fluss in sämtlichen Energieleitbahnen des Körpers, dies ausschliesslich mit sanften, fliessenden Bewegungen. Aus diesem Grund kann T'ai Chi Ch'üan auch von Jedem und Jeder praktiziert werden.
Die meisten gesundheitsfördernden Erkenntnisse sind aus den Erfahrungen der Traditionellen Chinesischen Medizin und der taoistischen Philosophie gewonnen worden. Die westliche Medizin steht der Methode noch immer skeptisch gegenüber. Dies ist verständlich, stehen die beiden Systeme doch in krassem Gegensatz zueinander. Die Erfolge des T'ai Chi Ch'üan, vor allem bei der unterstützenden Therapie, sowie die Begeisterung seiner Anhänger haben ihm aber viel Anerkennung verschaffen können. In der Schweiz wird T'ai Chi Ch'üan heute von vielen Krankenkassen als Präventivmassnahme anerkannt und unterstützt.
Mittlerweile werden auch viele medizinische Studien über seine Heilwirkungen betrieben. Klinische Beobachtungen deuten zum Beispiel darauf hin, dass es den Stoffwechsel von Kohlenhydrat, Fett, Eiweissen, Kalium, Kalzium und Phosphat positiv beeinflusst.
Laut der Traditionellen Chinesischen Medizin regt das T'ai Chi Ch'üan den Ch'i-Fluss an und harmonisiert somit die alles durchdringenden Yin-Yang-Aspekte im menschlichen Körper. Dadurch sollen Muskelverspannungen gelöst werden, Haltungsfehler korrigiert und der Gang stabilisert werden.

Chen (2001) S.30
Tjoa (1999) S.111

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Auch Verkrampfungen psychischer Art werden gelöst, Geist und Körper hängen in diesem Bereich ja sehr nahe zusammen Wir kennen die Redensart, "Den Kopf hängen lassen", oder raten jemandem, "die Ohren steif zu halten".

Durch die innere Atmung wird die Atemfrequenz reduziert und gleichzeitig die Lungenkapazität vergrössert und der Gasaustausch verbessert. Auch der Blutdruck wird gesenkt.

T'ai Chi Ch'üan beruhigt den Geist und schärft die Wahrnehmung, sowohl nach aussen wie auch in den Körper hinein, es fördert die Entwicklung von Selbstbewusstsein im wörtlichen Sinne. Der meditative Aspekt steigert die Konzentrationsfähigkeit, schenkt dem Übenden "mehr Weisheit" und kultiviert die Persönlichkeit.

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T'ai Chi Ch'üan als gesundheitsförderndes System ist ganzheitlich. Taoisten haben es von Anfang an auch praktiziert, um zu ihrem höchsten Ziel, der Verlängerung des Lebens und dem Erreichen der Unsterblichkeit zu gelangen.

2.5 Therapeutische/Medizinische Anwendungen

2.5.1 Ch'i Kung

 

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Ch'i Kung arbeitet mit denselben Prinzipien wie das T'ai Chi Ch'üan. Während letzteres jedoch während eines Übungsdurchganges sämtliche Energiemeridiane im Körper anspricht, beschränkt sich eine Ch'i Kung-Übung auf einen Einzelnen oder einige wenige davon. Eine Übung ist deshalb kürzer, doch auch fliessend und in sich geschlossen. Mit Ch'i Kung kann gezielt gegen ein Leiden vorgegangen werden, es wird deshalb häufiger als T'ai Chi Ch'üan zu Therapiezwecken eingesetzt.
Es gibt eine Unzahl verschiedener Übungen. Dr. med Josephine Zöller zum Beispiel beschreibt in ihrem Buch auf über 300 Seiten Ch'i Kung-Übungen gegen alle Arten von chronische Leiden.
Da die Gefahr besteht, einseitig einzelne Meridiane zu öffnen und damit den Körper aus dem Gleichgewicht zu bringen, sind die Übungen oft zu Übungsreihen zusammengefasst. Zu den bekanntesten gehören die Acht-Brokat-Übungen (Ba Duan Jin), die 24 taoistischen Gesundheitsübungen und das Falun Gong.

In Europa werden T'ai Chi Ch'üan und Ch'i Kung meist als unterstützende Therapien angeboten. In der medizinischen Praxis werden sie zum Beispiel bei Funktionsstörungen der Verdauungsorgane eingesetzt. Die Mitteilungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, wonach mit Ch'i Kung alle möglichen Krankheiten, auch Krebs, Tuberkulose und Multiple Sklerose geheilt werden können, haben sich im Westen jedoch noch nicht bestätigt.

Song (1991) S.37
Dr. med. Josephine Zöller, Das Tao der Selbstheilung
Tjoa (1999) S.111

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Eine andere, interessante Anwendung findet jedoch immer häufiger Anklang bei uns: T'ai Chi Ch'üan als Unterstützung zu einer Psychotherapie anzubieten. Da man sich "auf der Schnittstelle zwischen äusserer Haltung und innerer Einstellung" bewegt, , ist jede Bewegung und jede Haltung auch Ausdruck der geistigen Verfassung. Die Idee geht nun dahin, durch das Sichbewusstwerden seiner Haltung sich auch seines Geistes bewusst zu werden, und durch die Korrektur des Äusseren auch das Innere zu beeinflussen.

Mehrtens (2000) S.24

3. Das Kopfdrehen

Ich will untersuchen, ob sich durch mein Training eine Vergrösserung des Drehwinkels des Kopfes ergibt.
Das Drehen des Kopfes ist von vielerlei Faktoren abhängig. Nicht nur Muskeln , auch die Gelenke sowie die Informationen aus dem Hirn spielen eine Rolle . Allgemein kann man sagen, dass mit einer Vergrösserung des Winkels eine allgemeine Entspannung des Hals- Schulterbereiches stattgefunden hat.

Unser Wohnzimmer wurde kurzerhand umfunktioniert. Ich stellte mich an den genau definierten Ort (s. Skizze), und drehte, nur den Kopf, soweit wie möglich zur Seite (Roter Pfeil). Meine Freundin bewegte einen gut sichtbaren Gegenstand auf einer Höhe von ca. 120 cm langsam der Wand in meinem Rücken entlang, von der Ecke in Richtung Mitte. Sobald ich ihn aus den Augenwinkeln heraus sah, stoppte sie und markierte die Stelle. Dies ergab uns jeweils den Abstand A.
Zur Kontrolle haben wir jede Messung zweimal durchgeführt.
Davor habe ich jeweils das T'ai Chi Ch'üan geübt.

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Erste Messung 3.Sept. 2001

A(links)1: 1600 mm A(rechts)1: 1575 mm
A(links)1.1: 1600 mm A(rechts)1.1: 1575 mm


(Beide Messungen lieferten genau die gleichen Resultate.)
Ich hatte erwartet, dass A(rechts) kleiner sein würde, da, wie ich vorher schon gemerkt habe, meine linke Schulter verspannt ist , was die Drehung nach rechts erschwert.

Feneis (1998) s. Anhang
Diskussion mit R. Zimmerli, Physiotherapeutin,
Anton-Graff Str.17, Winterthur, 4. Jan .2002

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Zweite Messung 4. Jan. 2002

A(links)2: 1440 mm A(rechts)2: 1124 mm
A(links)2.1: 1445 mm A(rechts)2.1: 1125 mm

Berechnung des Drehwinkels a

a(links) = 180° + arcustan [(2235 mm - A(links)) / 2000 mm]

a(rechts) = 180° + arcustan [(2235 mm - A(rechts)) / 2000 mm]

Resultate:

a(links)1 = 197,6° a(rechts)1 = 198,3°

a(links)2 = 201.6° (Durchschnitt) a(rechts)2 = 209° (Durchschnitt)

Veränderung des Drehwinkels:

a(links)2 - a(links)1 = 4°(links) a(rechts)2 - a(rechts)1 = 10.7°(rechts)

 

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3.6.2 Diskussion:

Fehlerquellen: - Ausdrehen der Schulter oder der Hüfte, anstatt nur des Kopfes.
- Unterschiedliche Lichtverhältnisse
- Unterschiedliche Messhöhe über Boden

ð Messung nicht exakt reproduzierbar

Da ich nicht recht wusste, was ich mit diesen Resultaten anfangen sollte, fragte ich bei R. Zimmerli, Physiotherapeutin in Winterthur, nach. Sie meinte, die Veränderung sei immer relativ zum Ausgangszustand. Für einen gesunden Hals- Schulterbereich seien 10° Veränderungen in dieser Zeit aber ziemlich viel. Auch die Tagesform könne kaum soviel Einfluss nehmen.
Wo exakt die Entspannung stattgefunden habe, könne man so nicht sagen, zuviele Komponenten seien darin involviert.

Die grössere Veränderung von ungefähr 10,7° hat im Drehen nach rechts stattgefunden. Das heisst, dass sich die linke Schulter stärker entspannt hat. Für mich war das eine überaus freudige Nachricht, heisst es doch, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Feneis (1998) s. Anhang

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4. Literaturverzeichnis

Zitierte Literatur:
Chen, X. 2001 Die fünf Stufen der Entwicklung imTaijiquan - Taijiquan&Qigong Journal 2/2001, 26-30
Cheng, M. C. 1986 13 Kapitel zu T'ai Chi Ch'üan - Sphinx Medien Verlag, Basel, 24-30, 85-91
Feneis, H. 1998 Anatomisches Bildwörterbuch der internationalen Nomenklatur - Thieme Verlag, Stuttgart
Knospe, H.& Brändli, O. 1985 Lao Tse Tao-Te-King - Diogenes Verlag AG, Zürich
Liao, W. 1995 Die Essenz desT'ai Chi - Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München, 38-57
Luczak, H. & Stohrer, M. 2001 Die Suche nach Qi - GEO 6/2001, 72-96
Mehrtens, L. 2000 Im Spannungsfeld von innerer Einstellung und äusserer Haltung - Taijiquan&Qigong Journal 3/2000 24-29
Song, Z.J. 1991 T'ai Chi Ch'üan-Die Grundlagen - Piper Verlag Gmbh, München, 37-38
Tjoa, P.L. 1999 Taoistisches Chi Kung - IDOGO Verlag, Stuttgart, 16-26,110-117
Watts, A. 1983 Der Lauf des Wassers - Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 17-21, 67-153
Zöller, Dr.med. J. 1984 Das Tao der Selbstheilung - Scherz Verlag, Bern, München, Wien

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Internet:
http://itcca.org/deutsch/Yang-Stil/vertiefungsstufen 03.12.2001 13:11h Vertiefungsstufen
www.stud.uni-hannover.de/user/73597/Taoismus.html Heuer D. 03.09.2001 12:39h Taoismus:Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte 1-4

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Übrige Literatur:
Accolla, D. & Yates, P. 2001 Traditionelle Chinesische Medizin - Bassermann Verlag
Bänziger, E. & Baule, G. 1996 Kochen mit den Fünf Elementen - MIDENA Verlag Gmbh, Küttigen/Aarau
Deng, M.D. 1994 Der Taoist von Huashan - Ansata-Verlag, Interlaken
Friedrich, A.W. 1994 Ba Duan Jin Die acht edlen Übungen - P. Kirchheim Verlag, München
Fu, Z. 2000 Die Grundlagen des Taijiquan - Taijiquan&Qigong Journal 3/2000 30-34
Markert, C 1988 I Ging Das Buch der Wandlungen - Wilhelm Goldmann Verlag, München
Rowek, D 1995 Qi Gong und I Ging - Joy Verlag Gmbh
Schweizer Falun Gong Bewegung 2001 Falun Dafa zum kennenlernen -Schweizer Falun Gong Bewegung, Genf
Silberstorff, J. 2000 WennYin und Yang stagnieren - Taijiquan&Qigong Journal 3/2000 42-45
Théler, L. 2001 Licht und Schatten auf den heiligen Berggipfeln - Taijiquan&Qigong Journal 2/2001 42-45
Wilhelm R. 1996 I Ging Das Buch der Wandlungen - Eugen Diederichs Verlag, München
Wilhelm, R, 2000 Laotse Tao te king - Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen, München
Worsley, J.R. 1986 Was ist Akupunktur? - Plejaden Verlagsgesellschaft, Berlin

Internet:
http://itcca.org/deutsch/Literatur/Meditation2.htm Schubert, H. 29.08.01 10:58h Meditation 1-3
http://itcca.org/deutsch/Literatur/Meditation3.htm Schubert, H. 29.08.01 10:58h Tai Chi 1-3
http://medimihi.de/ 10.99 Die Lehre von Yin und Yang
http://members.vol.at/wang/philosophie/fba_Taoismus.htm Wang, J. 03.09.2001. 12:44h Die Auffassung des Wirklichen im Taoismus 1-20
www.taichichuan.ch/ 26.05.01

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Video:
Schubert, H. 1996 T'ai Chi & Qi Gong 3000 Jahre Kraft aus der Mitte - Yee Kung Zentrum, Wien


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